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Unsere Absicht 2024

Von der Vergangenheit in die Zukunft

Merianin Oasen

2013 wurde bei der Sanierung der Nürnberger Burg der kleine Garten neben der Kaiserkapelle nach Maria Sibylla Merian benannt und mit Pflanzenarten aus ihren Kupferstichen neu gestaltet. Dadurch wurde sie in Nürnberg und Umgebung bekannter und beliebter. Weiteres Interesse weckten 2017, ihrem dreihundertsten Todesjahr, mehrere Ausstellungen über ihr Leben und Werk und sogar erstmalig über ihren Ehemann Johann Andreas Graff, einen wichtigen Pionier der Stadtbildmalerei, in seiner Vaterstadt Nürnberg.

Zu diesem Gedenkjahr 2017 für Maria Sibylla Merian hat die Kreisgruppe vom BUND Naturschutz zusammen mit der Nürnberger Merianschule im „Heilkräutergarten“ am Hallertor ein Schmetterlings- und Insektenbeet angelegt. Dabei entstand die Zusammenarbeit mit Margot und Dieter Lölhöffel, die sich schon lange auf den Spuren von Maria Sibylla Merian für den Schutz von Schmetterlingen einsetzen und mehr Lebensraum für diese einfordern.

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Bepflanzung im Maria-Sibylla-Merian-Garten auf der Kaiserburg mit dem Kupferstich ihrer Lilie und hochroten Käferlein (Foto: Dieter Lölhöffel)

Logo unserer Initiative von 2018 bis 2023; Design: Theo Noll

Ein Jahr später jährte es sich zum 350. Mal, dass Maria Sibylla Merian nach Nürnberg kam, und wir feierten unser eigenes lokales Jubiläumsjahr mit einigen neuen Initiativen und unserem eigenen Logo: „MERIANIN 2018+ Neuer Lebensraum für Insekten“.

Als unser Markenzeichen wurde die weibliche Endung am Familiennamen, die für Frauen in Nürnberg, Frankfurt und anderen Städten damals üblich war, absichtlich gewählt. Unsere Initiativen und insbesondere unsere eigene Webseite sind dadurch unter den vielen anderen wissenschaftlichen und literarischen digitalen Quellen leichter zu finden.

Schon am Beginn unserer Aktivitäten war eindeutig erkennbar, dass sie über das Jahr 2018 hinausgehen mussten, um nachhaltig wirksam zu werden. Deshalb ist das kleine „+“ ein wichtiger Bestandteil unseres Mottos.

Unsere Ideen fanden viel Unterstützung und das Projekt MERIANIN 2018+ begann zu wachsen. Seitdem verteilen wir eine eigene Broschüre, in der die Forschung der Merianin mit den Bedürfnissen von Bienen, Käfern und Schmetterlingen in der heutigen Zeit verglichen wird.

Wir haben einige Vorschläge entwickelt, um öffentliche Parks, Friedhöfe, Außenflächen von Wohnanlagen und Firmengebäuden, bisher vernachlässigte Restflächen, private Gärten und sogar Balkone in kleine Insektenparadiese zu verwandeln. Der Umweltpädagoge Stefan Mümmler geht mit Raupen und der entsprechenden Ausrüstung in Schulen. Die Kinder beobachten die Metamorphose dieser Raupen und bringen – nach einigen Wochen – die Schmetterlinge auf die nächstgelegene Wiese und lassen sie fliegen.

Unser sehr aktives Kindermuseum bietet mehrere Programme und Projekttage an, in denen die dringende Notwendigkeit, unsere Umwelt zu schützen, mit Merians vorbildlicher Arbeit verbunden wird. Gemeinsam haben wir drei große Roll-ups produziert:

(1) Merians Leben und Werk wird gegenübergestellt dem Roll-up mit
(2) Fakten und Abbildungen über Nürnberg in der Zeit, in der sie hier lebte.
(3) Leben und Werk von Johann Andreas Graff sind ein wichtiges ergänzendes Thema.

Wir leihen diese Roll-ups gern für Workshops in Schulen, für öffentliche Veranstaltungen in Gartencentern oder sogar im Botanischen Garten in Erlangen aus. Dies sind nur einige Beispiele für die vielfältigen Aktivitäten unter der virtuellen Schirmherrschaft von Maria Sibylla Merian.

Unsere Roll-ups beim „Tag des Botanischen Gartens“ in Erlangen im Sommer 2019

Die Merianin und Nürnberg

Sie wird in Nürnberg immer beliebter. Viele der hier lebenden Menschen wissen bereits, dass sie in ihrer Nürnberger Zeit „Frau Gräffin“ [Frau Graff] hieß, wir nennen sie aber lieber „Merianin“, weil sie unter ihrem Mädchennamen weltbekannt ist, den sie nach ihrer Trennung von ihrem Ehemann wieder annahm. Menschen ganz unterschiedlicher sozialer Schichten (nicht nur Naturforscher oder Kunsthistoriker) interessieren sich nun für sie und ihre Lokalgeschichte in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, eine Zeit, die in der wissenschaftlichen Forschung über Nürnberg bisher vernachlässigt wurde – ebenso wie ihr Nürnberger Ehemann Johann Andreas Graff und seine Verdienste.

Die Merianin und die sozio-kulturelle Tradition Nürnbergs

In den letzten fünf Jahren seit 2018 hat sich gezeigt, dass viele Menschen aufmerksamer und kooperativer im Kampf um neue Lösungen für die Probleme unserer Zeit sind, wenn sie ein Echo in ihrer lokalen Geschichte finden und stolz auf die Vergangenheit ihrer eigenen Stadt sein können.

Zahlreiche Ergebnisse von Recherchen zu Leben und Werk der Merianin in ihrer Nürnberger Zeit werden auf dieser Webseite mit Texten, Illustrationen und Literaturangaben dokumentiert. Wir hoffen, dass sich der Beitrag der Merianin zu unserer Nürnberger Kulturgeschichte dadurch in unserem eigenen historischen Gedächtnis verwurzeln kann. Dies ist eine wichtige Voraussetzung, damit der Erfolg unserer Initiativen weitergehen und nachhaltig wirken kann.

1682 kehrte die Merianin zwar aus familiären Gründen mit ihrem Mann und ihren Töchtern nach Frankfurt zurück, aber ihr „Zweites Raupenbuch“ von 1683 wurde ebenfalls noch in Nürnberg gedruckt.

Ihr Kontakt zu Nürnberg blieb auch in den folgenden Jahrzehnten lebendig. Einige ihrer Briefe sind bis heute in Museen und Archiven erhalten geblieben und die meisten davon waren an Adressaten in Nürnberg gerichtet. Diese langjährige, erfolgreiche Beziehung zu Nürnberg soll Anlass sein, um in unserer Stadt auch in den kommenden Jahren an diese weltberühmte Künstlerin und Naturforscherin zu erinnern.

In nächster Zeit – beginnend 2025 und von da ab in der kurzen Zeit von acht Jahren – wird sich die Veröffentlichung ihrer ersten sechs Bücher in Nürnberg zum 350sten Mal jähren. Hier arbeitete sie intensiv und unermüdlich und begann ihre Karriere mit solch großartigen Ergebnissen, für die sie bis heute weltberühmt ist:

1675

Erstes Blumenbuch

2025

1678

Zweites Blumenbuch

2028

1679

Erstes Raupenbuch

2029

1680

Drittes Blumenbuch

2030

1680

Neues Blumenbuch

2030

1683

Zweites Raupenbuch

2033

Blick in die Zukunft

Die Recherchen der Merianin sind wegweisend für unsere gegenwärtige Zeit und für die Zukunft: Mit ihr als symbolischer „Türöffnerin“ wird es uns hoffentlich gelingen, in Nürnberg und seiner Nachbarschaft viel Interesse für insektenreiche Blumenwiesen und bunte Beete zu wecken, wo Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten ein reiches Nahrungsangebot vorfinden und sich gern niederlassen.

Diesem neuen Schwerpunkt entsprechend haben wir unser Logo angepasst: An die Stelle der Jahreszahl „2018+“ rückt nun die Bemühung um „Oasen“ mit neuem Lebensraum für Insekten in den Mittelpunkt.

Die Aussichten für einen Erfolg sind in den nächsten Jahren günstig, weil die Stadt Nürnberg von der Bayerischen Staatsregierung beauftragt worden ist, die Bayerische Landesgartenschau 2030 zu gestalten und sie haben dafür als Motto „Urbane Gartenschau Nürnberg“ gewählt.

Mit Hinweis auf die bahnbrechenden Bücher der Merianin aus ihrer Nürnberger Zeit und auf Nürnberg als vorbildlicher Gartenstadt um 1700 kann die Initiative „Merianin Oasen“ hoffentlich zu Synergie-Effekten beitragen. Denn die Planungen und Anpflanzungen für die Bayerische Landesgartenschau müssen zügig in den kommenden Jahren erfolgen. Eine geeignetere virtuelle Schirmherrin als die Merianin ist für die Gartenschau 2030 in Nürnberg nicht vorstellbar.

Als „erste Ökologin“ kann die Merianin einen besonderen Beitrag dazu leisten, dass diese Ausstellung ein Erfolg wird. Noch wichtiger ist, dass von dieser Schau langfristige und nachhaltige Impulse für eine naturnahe und klimagerechte Umgestaltung unserer gesamten Stadt ausgehen, damit die summenden und flatternden Lebewesen auf den faszinierenden Kupferstichen der Merianin in Zukunft wieder überall in Nürnbergs Natur zu bewundern sind.

Neues Logo unserer Initiative ab 2024; Design: Theo Noll

In Nürnberg konstruiert und in der ganzen Welt präsent

Virtuelle Denkmäler im Netz

Nicht nur in Nürnberg wird immer stärker Kritik daran geübt, dass es viel zu wenig öffentliche Gedenkorte für außergewöhnliche Frauen gibt. Es wird heftig darüber gestritten, wo im öffentlichen Raum neue Denkmäler aufgestellt und Straßen nach Frauen benannt werden können. In Neubauvierteln am Stadtrand bringen Straßennamen jedoch nur wenig öffentliche Aufmerksamkeit und geeignete Standorte für Denkmäler sind schwer zu finden. Zudem führen Gestaltungsfragen oft zu erbitterten, langwierigen Auseinandersetzungen.

In Nürnberg gelingt es, durch glückliche Umstände bei der Neugestaltung des Nägeleinsplatzes in der nördlichen Altstadt und mit Unterstützung des Stadtrats, ab 2022 in einer Grünanlage am Ufer der Pegnitz, einen „Merianin-Uferweg“ anzulegen. Außerdem werden mit der zunehmenden Bedeutung des „world wide web“ virtuelle Erinnerungsorte immer wichtiger. Die Webseite www.merianin.de ist deshalb als „lebendiges Denkmal“ konzipiert, in das auch in Zukunft neue wissenschaftliche Einblicke integriert werden können.

Margot Lölhöffel an ihrem Schreibtisch bei der Arbeit an der Webseite für die Merianin
(Foto: Medienwerkstatt Franken)

Medien-Besuch 2022

Die Medienwerkstatt Franken hat mit der erfahrenen Frauenforscherin Nadja Bennewitz und anderen Expertinnen ein Video über bedeutende Frauen in der Nürnberger Geschichte an dazu passenden Stationen in der Nürnberger Altstadt gedreht mit dem Titel „Nürnbergerinnen zwischen Reformation und Frauenwahlrecht“. Dieses Video, das am 24. April und 1. Mai 2022 gesendet wurde, ist als „virtuelles Denkmal“ ebenfalls dauerhaft im Netz anzuschauen.

Die Merianin wird – ungefähr in der Mitte des Videos – sogar an drei verschiedenen Standorten vorgestellt: an dem ehemaligen Wohnhaus, im Maria-Sibylla-Merian-Garten auf der Kaiserburg und an einem Schreibtisch mit der Webseite www.merianin.de an einem Bildschirm. Das Interview von Frau Bennewitz stimmt nicht in allen Details mit den Recherchen für diese Webseite überein. Dadurch wird jedoch deutlich, wie vielschichtig das Bild der Merianin heute noch nicht nur in historischen Romanen, sondern auch in der Forschung ist und wo wissenschaftliche Untersuchungen noch weiter vertieft werden sollten.

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