{"id":3961,"date":"2020-05-07T14:35:15","date_gmt":"2020-05-07T12:35:15","guid":{"rendered":"http:\/\/merianin.de\/?page_id=3961"},"modified":"2021-02-09T14:34:34","modified_gmt":"2021-02-09T13:34:34","slug":"stadt-fuer-zuwanderer-und-frauen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/merianin.de\/en\/home\/stadt-fuer-zuwanderer-und-frauen\/","title":{"rendered":"CITY FOR IMMIGRANTS"},"content":{"rendered":"<div class=\"mkdf-row-grid-section-wrapper \"  ><div class=\"mkdf-row-grid-section\"><div class=\"vc_row wpb_row vc_row-fluid vc_custom_1585148942021\" ><div class=\"wpb_column vc_column_container vc_col-sm-12\"><div class=\"vc_column-inner\"><div class=\"wpb_wrapper\"><div class=\"vc_row wpb_row vc_inner vc_row-fluid\" ><div class=\"wpb_column vc_column_container vc_col-sm-12\"><div class=\"vc_column-inner\"><div class=\"wpb_wrapper\"><div class=\"mkdf-section-title-holder  \" style=\"text-align: center\">\n\t<div class=\"mkdf-st-inner\">\n                <span class=\"mkdf-st-tagline-text\" >\n            N\u00fcrnberg im Aufschwung        <\/span>\n    \t\t\t\t\t<h2 class=\"mkdf-st-title\" >\n\t\t\t\tBl\u00fctezeit der B\u00fcrgerstadt\t\t\t<\/h2>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n<\/div><div class=\"vc_empty_space\"   style=\"height: 40px\" ><span class=\"vc_empty_space_inner\"><\/span><\/div>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><div class=\"vc_row wpb_row vc_inner vc_row-fluid\" ><div class=\"wpb_column vc_column_container vc_col-sm-6\"><div class=\"vc_column-inner\"><div class=\"wpb_wrapper\">\n\t<div class=\"wpb_text_column wpb_content_element \" >\n\t\t<div class=\"wpb_wrapper\">\n\t\t\t<p>Der Drei\u00dfigj\u00e4hrige Krieg war ein tiefer Einschnitt in die Stadtentwicklung. Die Stadt war zwar nicht erobert worden, aber nur um den Preis gro\u00dfer finanzieller Kriegskontributionen: Viele Menschenleben waren durch Seuchen zu beklagen, Wirtschaft und Kultur hatten schwer gelitten. Trotzdem erholte sich die Stadt schnell nach dem Westf\u00e4lischen Frieden 1648: Ein Jahr lang tagte der Friedensexekutionskongress in N\u00fcrnberg, um die Demobilisierung der Truppen, Zahlung von Abfindungen und andere wichtige Details zu kl\u00e4ren. Diplomaten mit ihren Delegationen nahmen Wohnung in der Stadt, ben\u00f6tigten Verpflegung und neue elegante Bekleidung, sie lie\u00dfen ihre Portraits in \u00d6l malen oder in Kupfer stechen, sie feierten viele Feste. Das alles war ein wirksames wirtschaftliches und kulturelles Konjunkturprogramm (umfassender als ein Marschallplan).<\/p>\n<p>Als die jungen Eheleute Graff 1668 mit einem noch sehr kleinen S\u00e4ugling nach N\u00fcrnberg kamen, wehte ein frischer Wind in dieser Stadt. Wahrscheinlich hat die N\u00fcrnberger Stadtgesellschaft das Einleben erleichtert, weil Zuwanderer in diesem Zentrum der Zeichner, Maler, Kupferstecher, Buchdrucker und Illuminatoren schon in der ersten Generation Fu\u00df fassen konnten. Diese positive Entwicklung setzte sich bis in die letzten Jahrzehnte des 17. Jahrhunderts fort, auch wenn manche qualifizierten Zuwanderer Anfangsschwierigkeiten \u00fcberwinden mussten. Die Drucker des Ersten und Zweiten Raupenbuchs (1679 und 1682), Andreas Knortz aus Kulmbach und Michael Sp\u00f6rlin aus Frankfurt, sind interessante Beispiele f\u00fcr die Chancen und Risiken solcher \u201eNeub\u00fcrger\u201c (vgl. Kapitel \u00fcber die <a href=\"http:\/\/merianin.de\/nuernberger-werke\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">N\u00fcrnberger Werke der Merianin<\/a>).<\/p>\n\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/div><\/div><\/div><div class=\"wpb_column vc_column_container vc_col-sm-6\"><div class=\"vc_column-inner\"><div class=\"wpb_wrapper\">\n\t<div class=\"wpb_text_column wpb_content_element \" >\n\t\t<div class=\"wpb_wrapper\">\n\t\t\t<p>Im lutherischen N\u00fcrnberg war es nicht ungew\u00f6hnlich, dass Frauen als Malerinnen, Stickerinnen oder Lehrerinnen von M\u00e4dchen arbeiteten. M\u00fc\u00dfiggang galt als Laster, und auch M\u00e4dchen in den oberen Schichten der Gesellschaft sollten etwas N\u00fctzliches lernen. Maria Sibyllas \u201eJungfern-Combann\u00ff\u201c (M\u00e4dchen-Kompanie) waren T\u00f6chter aus den Ratsfamilien, wie z.B. Clara Regina Imhoff, sowie aus Handel und Handwerk, wie z.B. eine Tochter des Kunsth\u00e4ndlers und Verlegers Paul F\u00fcrst.<\/p>\n<p>Viele N\u00fcrnberger waren neugierig auf alles, was mit Natur und Pflanzen zusammenhing, und sie waren bereit, daf\u00fcr Geld auszugeben. Das schloss auch die auf ihnen lebenden, summenden und flatternden Lebewesen ein. Deshalb galt hier das Interesse der Merianin an Raupen nicht als \u201es\u00fcndhaft\u201c und Raupen wurden keineswegs als \u201eTeufelsgew\u00fcrm\u201c verachtet. Pr\u00e4parierte Schmetterlinge waren ein attraktiver Bestandteil von Privatsammlungen in Wunderkammern.<\/p>\n\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><div class=\"mkdf-row-grid-section-wrapper \"  style=\"background-color:#cdd6d5\"><div class=\"mkdf-row-grid-section\"><div class=\"vc_row wpb_row vc_row-fluid vc_custom_1589370250674\" ><div class=\"wpb_column vc_column_container vc_col-sm-12\"><div class=\"vc_column-inner\"><div class=\"wpb_wrapper\"><div class=\"vc_row wpb_row vc_inner vc_row-fluid\" ><div class=\"wpb_column vc_column_container vc_col-sm-6\"><div class=\"vc_column-inner\"><div class=\"wpb_wrapper\">\n\t<div class=\"wpb_text_column wpb_content_element \" >\n\t\t<div class=\"wpb_wrapper\">\n\t\t\t<p>Die Wissenschaft und die Ehrfurcht vor Gottes wunderbarer Sch\u00f6pfung, auch vor den kleinsten und unbedeutendsten Gesch\u00f6pfen, entsprachen in hohem Ma\u00dfe dem Lebensgef\u00fchl der N\u00fcrnberger Stadtgesellschaft. So brauchte Maria Sibylla in N\u00fcrnberg nicht zu bef\u00fcrchten, f\u00fcr ihre Insektenforschung verfolgt zu werden. Im Gegenteil, ihre Arbeit wurde unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Besonders \u201esprechende\u201c Beispiele f\u00fcr die Anerkennung und Bewunderung der N\u00fcrnberger Stadtgesellschaft sind die Gedichte ihres Mentors Professor Christoph Arnold in beiden Raupenb\u00fcchern. In ihrem ersten Raupenbuch finden wir direkt nach dem Titelkupfer und dem gedruckten Titelblatt ein solches Gedicht. Dort stellt Arnold die Autorin auf eine Stufe mit den ber\u00fchmtesten Insektenforschern des 16. und 17. Jahrhunderts, die vor Maria Sibylla publiziert hatten.<\/p>\n\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<div class=\"vc_empty_space\"   style=\"height: 20px\" ><span class=\"vc_empty_space_inner\"><\/span><\/div>\n\n\t<div  class=\"wpb_single_image wpb_content_element vc_align_left\">\n\t\t\n\t\t<figure class=\"wpb_wrapper vc_figure\">\n\t\t\t<a data-rel=\"prettyPhoto[rel-3961-703657701]\" href=\"https:\/\/merianin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Christoph-Arnold.jpg\" target=\"_self\" class=\"vc_single_image-wrapper vc_box_border  vc_box_border_grey prettyphoto\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"vc_single_image-img \" src=\"https:\/\/merianin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Christoph-Arnold-350x501.jpg\" width=\"350\" height=\"501\" alt=\"Christoph-Arnold\" title=\"Christoph-Arnold\" \/><\/a>\n\t\t<\/figure>\n\t<\/div>\n\n\t<div class=\"wpb_text_column wpb_content_element \" >\n\t\t<div class=\"wpb_wrapper\">\n\t\t\t<p style=\"text-align: left;\"><em>Portrait von Christoph Arnold <\/em>(1)<em><br \/>\n<\/em><\/p>\n\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/div><\/div><\/div><div class=\"wpb_column vc_column_container vc_col-sm-6\"><div class=\"vc_column-inner\"><div class=\"wpb_wrapper\">\n\t<div class=\"wpb_text_column wpb_content_element \" >\n\t\t<div class=\"wpb_wrapper\">\n\t\t\t<h4>\u201eEs ist verwundernswert \/ dass ihnen auch die Frauen<br \/>\ndasjenige getrauen \/ zu schreiben mit Bedacht.<br \/>\nwas der Gelehrten Schaar \/ so viel zu thun gemacht.\u201c<\/h4>\n<p>Mit dieser zentralen Aussage stempelt er quasi ein G\u00fctesiegel auf Merians Werk, das viel zu ihrer Anerkennung in N\u00fcrnberg beitr\u00e4gt:<\/p>\n<h4>\u201eJedoch ist lobenswert \/ da\u00df ihnen eine Frau es gleich<br \/>\nzu thun begehrt \/ \u2026\u2026 da\u00df ein kunstreiches Weib<br \/>\ndies alles selbst geleist \/ zu ihrer Zeitvertreib.\u201c<\/h4>\n<p>Zu Beginn der 1680er Jahre hatten sich sowohl Maria Sibylla zur Blumen- und Raupenspezialistin als auch ihr Mann zum Pionier von Stadtansichten entwickelt. F\u00fcr beide bestanden gute Aussichten auf eine erfolgreiche, gesicherte Zukunft. F\u00fcr die Familie Graff-Merianin ging jedoch die N\u00fcrnberger Zeit nach dem Tod des Familienoberhaupts Jacob Marrell in Frankfurt im November 1681 unerwartet schnell zu Ende. Seine unversorgte und gealterte Witwe, die Mutter der Merianin, ben\u00f6tigte Hilfe und Maria Sibylla kehrte mit Mann und T\u00f6chtern 1682 nach Frankfurt zur\u00fcck.<\/p>\n\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\t<div class=\"wpb_text_column wpb_content_element \" >\n\t\t<div class=\"wpb_wrapper\">\n\t\t\t<p>Das anhaltende Wohlwollen gegen\u00fcber der \u201eN\u00fcrnbergerin auf Zeit\u201c kommt auch im Zweiten Raupenbuch in einem Gedicht von Arnold zum Ausdruck, das wie ein Abschiedsgru\u00df klingt.<\/p>\n\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<div class=\"vc_empty_space\"   style=\"height: 20px\" ><span class=\"vc_empty_space_inner\"><\/span><\/div>\n\n\t<div  class=\"wpb_single_image wpb_content_element vc_align_left\">\n\t\t\n\t\t<figure class=\"wpb_wrapper vc_figure\">\n\t\t\t<a data-rel=\"prettyPhoto[rel-3961-1712649820]\" href=\"https:\/\/merianin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/lobgedicht.jpg\" target=\"_self\" class=\"vc_single_image-wrapper vc_box_border  vc_box_border_grey prettyphoto\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"248\" src=\"https:\/\/merianin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/lobgedicht.jpg\" class=\"vc_single_image-img attachment-full\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/merianin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/lobgedicht.jpg 800w, https:\/\/merianin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/lobgedicht-300x93.jpg 300w, https:\/\/merianin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/lobgedicht-768x238.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a>\n\t\t<\/figure>\n\t<\/div>\n\n\t<div class=\"wpb_text_column wpb_content_element \" >\n\t\t<div class=\"wpb_wrapper\">\n\t\t\t<h4 style=\"text-align: left;\">So hat auch ihren Flei\u00df Frau Gr\u00e4ffin wollen mehren<br \/>\nf\u00fcrnemlich GOtt zu Ehren:<br \/>\ndenn di\u00df ist unser Ziel:<br \/>\nIch w\u00fcnsch \u2018Ihr GOttes Gnad\u2019 und solcher Werke viel. (2)<em><br \/>\n<\/em><\/h4>\n\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><div class=\"mkdf-row-grid-section-wrapper \"  ><div class=\"mkdf-row-grid-section\"><div class=\"vc_row wpb_row vc_row-fluid vc_custom_1588842005662\" ><div class=\"wpb_column vc_column_container vc_col-sm-12\"><div class=\"vc_column-inner\"><div class=\"wpb_wrapper\"><div class=\"vc_message_box vc_message_box-standard vc_message_box-rounded vc_color-chino vc_custom_1589369705276\" >\n\t<div class=\"vc_message_box-icon\"><i class=\"fa fa-info-circle\"><\/i>\n\t<\/div><ol>\n<li>Frontispiz im Verkaufskatalog f\u00fcr die Bibliothek von Christoph Arnold [N\u00fcrnberg] 1725; mit freundlicher Genehmigung der UBErl, Sig. Nr. H00\/BBLGR-IIII 171[1\/2]<\/li>\n<li>Gr\u00e4ffin, Maria Sibylla (MSM 1683) S. 4, Ende des Lobgedichts; UBErl, Handschriftenabteilung, Sign.H62 \/ IM.P 39<\/li>\n<\/ol>\n<\/div>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"N\u00fcrnberg im Aufschwung Bl\u00fctezeit der B\u00fcrgerstadt Der Drei\u00dfigj\u00e4hrige Krieg war ein tiefer Einschnitt in die Stadtentwicklung. Die Stadt war zwar nicht erobert worden, aber nur um den Preis gro\u00dfer finanzieller Kriegskontributionen: Viele Menschenleben waren durch Seuchen zu beklagen, Wirtschaft und Kultur hatten schwer gelitten. 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